In der letzten Zeit kommt es bei mir öfter vor, dass ich als launischer Mensch ab und an ein paar Gänge zurückschalte. Noch vor ein paar Wochen wären Telefonate wie das heutig anders ausgefallen, denn meiner Meinung nach macht mich alles krank, was sich anstaut. Also lasse ich generell nicht zu, dass Gesprächspartner der Meinung sind, ich wäre nicht sauer über das, was Sie mir da erzählen. Mir ging es immer gut damit, wenn ich lautstark meinen Gefühlen ein Ventil anbiete. Nichts staut sich länger als ein paar Minuten auf und ein Magengeschwür mochte ich nie riskieren. Natürlich stößt diese Art oft auf wenige gegenliebe. Das ist eben so und die Leute die mich wirklich kennen, können damit umgehen und wissen um meine Vorliebe verbaler Ehrlichkeit. Eine Schreierei z.B. im Büro ist mir lieber als ungeklärte Themen. Ich respektiere und schätze Menschen, die mir Ihre Meinung sagen weil Sie akzeptieren, dass ich das auch tue.
Was aber hat sich geändert? Liegt es am Alter? Warum war ich ruhig? Die Macht der Gedanken und die Gewissheit, dass es immer einen Grund dafür gibt, warum Leute bei McDonalds, Edeka an der Kasse oder in Callcentern arbeiten ist sicherlich einer der Gründe. Das ist sehr arrogant aber es ist doch einfach so oder nicht? Idioten, die mit rechten Parolen durch die Gegend rennen und schreien, nette indische Ingeneure nehmen ihnen die Arbeitsplätze weg sind vergeudete Atemluft sie anzuschreien. Ich komme vom Thema ab.
Meinen geliebte 20D wurde zur Reinigung an Canon geschickt. Die Aussage von Canon: “Aufgrund der Photokina benötigen wir etwas länger. Rechnen Sie bitte mit bis zu einer Woche!” – Super habe ich noch gedacht. Eine Woche geht.
Heute kam ein Schreiben: “…um Ihnen kontinuierlich kurze Reparaturzeiten gewährleisten zu können, haben wir Ihren Auftrag an……weitergeleitet”. Hallo? Super Service – auch wenn ich nicht weiß, was ich bei einem Spitzenprodukt wie dieser Kamera kontinuierlich mit Reparaturen zu tun haben werde. Ich wollte es genauer wissen und rief in Zwenkau im Osten unserer Republik an und erfragte den Status. Es müsste ja lt. Canon schneller als eine Woche gehen.
Was jetzt kommt ist passiv telefonieren. Freundlich sein und sich den Rest denken!
Es begann bei der Frage nach meinem Namen, da ich die Kamera über die Firma eingeschickt habe. Die erste Rückfrage:
“Könnten Sie vielleicht auch einen anderen Firmennamen haben, ich finde Ihre Firma nicht”
Gedanken: Ja Du Schrulle, ich könnte. Hab ich aber nicht, weil wir uns für diesen Namen entschieden haben.
“Ah jetzt Herr Ziegler. Ihre Kamera ist da.”
Gedanken: Davon gehe ich aus, ich hab sie ja geschickt und von Euch einen Brief bekommen.
“Nach der Eingangsprüfung dauert es 5 Tage bis die Reparatur gemacht wird, dann noch die Reparaturzeit”
Gedanken: Ich bestell keinen Trabi, ich will eine Sensorreinigung.
“Nein, leider geht das nicht schneller”
Gedanken: Wenn Du wüsstest!
“Ja wenn Sie die innerhalb einer Woche brauchen, dann schreib ich das dazu”
Gedanken: Steht schon drauf! Seit letzter Woche!
“Ich kümmer mich, dass die Kamera schneller repariert wird, aber da war ja am Freitag der Feiertag”
Gedanken: Wer hat meine Kamera kaputt gemacht und was gibts da zu feiern?
“Ach es ist keine Reparatur sondern eine Reinigung?”
Gedanken: Aha, es kann lesen!
“Vielen Dank für Ihren Anruf”
Gedanken: Na wenigstens Dir hat es Spaß gemacht.
Es ist so einfach sich nicht aufzuregen, wenn man es mit Humor sieht. Wenn die Schrulle aber bis Donnerstag keine Ausgangsbestätigung an mich geschickt hat, wende ich wieder Plan A an. 15 Minuten Telefonat mit 14 Minuten Monolog und eine Minute Schweigen.